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 Fantasy: Licht & Schatten

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FCSchiller
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BeitragThema: Fantasy: Licht & Schatten   Mi Jan 02, 2013 3:55 pm

Wenn ihr mal einen Moment Zeit habt, würde ich mich sehr freuen, wenn ich einemal den Prolog meines Fantasyromans "licht & Schatten" durchlesen könnet. Für Tipps und Anregungen oder Verbesserungsvorschkäge wäre ich sehr dankbar! Auch was die Namen der Städte Charaktere etc. angeht freue ich mich über Feedback (ich bin damit nicht wirklich zufireden...)
Viel Spass beim Lesen und lg
FCSchiller

Prolog


Ein weiterer Abend, an dem er alleine auf der Wehrmauer von Faldris Wache hielt, eine der letzten Bastionen gegen die Orkhorden, die seit mehr als einem halben Jahrtausend einen Großteil des Landes beherrschten. Faldris war praktisch eine ganze Stadt, die zur Festung ausgebaut worden war, als bekannt wurde, dass die Orks in den Osten des Landes einfielen. Der damalige Protektor der Stadt ließ, als er von der Invasion hörte, unversehens Strategen, Gelehrte und Architekten aus allen Teilen von Enerland in die Stadt rufen und erteile ihnen den Auftrag die Stadt gegen die schrecklichen Kreaturen zu sichern. Nach Monaten des Pläneschmiedens und der Grübelei stellte die Gruppe dem Protektor ihren endgültigen Entwurf vor. Er war sofort von ihm begeistert und bat den Kaiser die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Kaiser jedoch war fest davon überzeugt die einfallenden Orks und anderen Ungetüme im Osten schon bald zurück schlagen zu können und befand den Plan als unsinnig, da die Orks seiner Ansicht nach niemals soweit in den Westen vordringen würden. Stattdessen investierte er das Gold in Söldnerheere, die er den Ungeheuern entgegen warf. Diese wurden allesamt vernichtet oder bestenfalls in die Sklaverei verkauft. Schließlich floh der Kaiser Hals über Kopf aus seinem Palast in Denerim und verschwand spurlos. Von da an ging es bergab mit Enerland. Erst fiel eine Stadt nach der Anderen, dann Provinz nach Provinz und schließlich ganze Landstriche. Die Horden von Orks hatten bald das gesamte Land östlich des Glesratflusses besiegt und besetzt. Der Glesrat bildete die Grenze zwischen der großen Osthälfte und der kleineren Westhälfte von Enerland.
Faldris Protektor jedoch sah dies voraus und bat aus seiner Not rechtzeitig die Zwerge zu Hilfe. Das große Zwergenreich Bijas-Run lag weit im Westen von Enerland. Eine steinige Gegend, die wie für den Bergbau geschaffen war. Trotz der weiten Entfernung kamen viele Zwerge über lange, beschwerliche Wege und Pässe oder gruben sich unter dem Wolkengebirge, welches ein großes Hindernis für Menschen und Zwerge war, hindurch. Sie kamen in die Stadt und halfen sie auszubauen. Als die Arbeit endlich getan war verlangten sie unterhalb der Stadt leben und graben zu dürfen. Dies missfiel den meisten Einwohnern der Stadt doch sie ließen es schließlich zu, da die Zwerge ihnen immerhin freiwillig und bisher ohne Gegenleistung geholfen hatten die Stadt zu befestigen. Im Gegenzug versprachen die Zwerge den Menschen ihnen im Falle eines Angriffs beizustehen. Doch im Laufe der Zeit zogen sie sich immer weiter unter die Stadt zurück und gruben immer tiefere Schächte, wo sie sich verschanzten und nach Reichtümern suchten. Inzwischen hatte man seit gut dreißig Jahren keinen Zwerg mehr außerhalb der Stollen an der Oberfläche gesehen. Manche sagten sie seien zurück in den Westen gezogen, andere behaupteten sie hätten ein Monster von erschreckender Grausamkeit aus seinem tiefen Schlaf gerissen und es hätte sie darauf hin bis auf den letzten Zwerg vertilgt und würde seit her unter der Stadt lungern und nur darauf warten herausbrechen zu können um Tod und Verderben zu verbreiten. Auch Jundal kannte diese Gerüchte und er dachte manchmal darüber nach wie viel davon wohl war und wie viel falsch war.
Es war eine klare Nacht, die Sterne sowie die zwei Monde waren deutlich zu sehen und es wehte ein angenehm warmer Sommerwind. Der Rauch der Fackeln stieg sich kräuselnd in die Luft und wurde vom Wind davon getragen, bis er sich auflöste und nur noch der Geruch des verbrannten Wachstuchs blieb, das die Fackelmacher in einer altbewährten Prozedur um einen beinahe völlig feuerresistenten Stab gewickelt hatten. So musste immer nur neues Wachstuch befestigt werden, um die Fackel wieder einsatzbereit zu machen.
Jundal mochte diesen Geruch, denn er erinnerte ihn an die Abende in seiner Jugend, als er mit seinem Vater durch die verwinkelten Gassen von Gizdan spaziert war und dieser ihm Ereignisse aus seiner Vergangenheit oder Legenden und Mären aus geraumer Vorzeit erzählt hatte. In seiner Lieblingsgeschichte hatte ein Held, namens Tralot, eine ganze Armee von Orks vernichtet, indem er die zerstrittenen Menschen und Zwerge vereinte und sie, schließlich siegreich, zu Felde führte.
Sein Vater war allerdings immer der Meinung gewesen es sei mehr Erfindung als Wahrheit an diesen Geschichten, doch Jundal konnte nie richtig aufhören sich vorzustellen wie die verhassten Orks aus seiner so geliebten Heimat vertrieben wurden und für immer verschwanden.
Er spähte in die Finsternis und hielt Ausschau nach etwas Ungewöhnlichem und lauschte nach verräterischem Knacken des Unterholzes vom Wald Hrûndir, der keine vierzig Schritt von der starkbefestigten Burgmauer entfernt lag. Es blieb still und er konnte auch nichts entdecken. Beruhigt begab Jundal sich zu der kleinen Feuerstelle, die er auf einem etwas baufälligem Turm entfacht hatte, um nach dem mageren Kaninchen zu sehen, das ihm von einem der wenigen Bauern, die noch nicht unter das Joch der Orkherrschaft geraten waren, günstig verkauft worden war. Die Preise für Fleisch waren zu dieser Zeit reiner Wucher, es gab kaum noch Gebiete in die sich die freien Jäger trauen konnten, ohne selbst zum Gejagten und letztendlich zur Beute für den Orkabschaum oder ihre widerlichen, kleinen Handlanger - die Goblins - zu werden. Wahrscheinlich war dieses Exemplar an Alters-schwäche gestorben und der Bauer hatte es einfach vom Wegesrand aufgelesen, um es als Schnäppchen zu verkaufen.
Behände nahm er den Spies aus den Halterungen und entfernte mit zwei schnellen, präzisen Schnitten seines langgeschwungenen Dolches den dürftigen Braten von dem leicht angekohlten Stock. Misstrauisch roch er am Fleisch und beäugte seine kleine Mahlzeit. Als er sich sicher war kein faules Wildbret vor sich zu haben, riss er kurzerhand eine der Keulen des kleinen Tieres ab und biss vorsichtig hinein. Er hatte sich geirrt, der Bauer war ehrlich gewesen. Das heiße Fett triefte in seinen rotblonden Bart. Er wischte es gemächlich mit seinem Ärmel ab.
Er kaute eine ganze Weile auf dem letzten Bissen herum und schlang dann auch diesen hinunter. Er hatte zwar schon bessere Mahlzeiten erlebt, aber auch schon schlechtere. Zufrieden legte er die Hände auf den Bauch und lehnte sich ein wenig zurück gegen die Zinnen und Genoss den würzigen Nachgeschmack seines Mitternachtsschmauses. Nun, wo ihm das Blut aus dem Kopf wich und in den Magen lief, um mit der Verdauung zu beginnen, wurde Jundal ein wenig schläfrig, gähnte und begann allmählich zu dösen. Schließlich fiel er in einen leichten, erholsamen Schlaf.

*

Er lugte vorsichtig über den umgefallenen Baumstamm die Zinnen hoch und konnte ganz deutlich eine Gestalt erkennen, die dort oben entweder am Daumen lutschte oder irgendetwas auffraß. Etwas Fleischiges, das konnte er wittern. Ihm lief der Speichel im Mund zusammen und tropfte auf das morsche Holz des toten Gristurbaumes hinter dem er sich versteckt hatte. Brutock hatte schon oft Befestigungen für seine Horde ausgekundschaftet, doch selten war er so hungrig gewesen wie an diesem Tag. Er hatte einen Gewaltmarsch von fünf Tagen hinter sich und es gab nichts zu fressen außer diesem trockenen Brot, das sich in seiner Kehle anfühlte wie Sand und sein Maul austrocknete. Er wollte Fleisch, wie sie alle wollte er wieder Fleisch in den leeren Magen bekommen und hier lag es direkt vor ihm. Eine ganze Stad voller Fleischlinge die vollgefressen und satt in ihren Betten lagen und nur darauf warteten von ihm und seiner Horde gebraten zu werden. Sein Magen knurrte leise, aber laut genug, dass der Mensch auf der Mauer es vielleicht hätte hören können, er duckte sich tiefer hinter das Holz und versuchte den Menschen zu fixieren. Er schien nichts gehört zu haben denn er warf gerade mit einer lässigen Bewegung einen Knochenrest über die Mauer.
Der Knochen landete zwei Schritt neben dem hungrigen Ork. Brutock starrte auf den Konchen und konnte praktisch das Mark riechen, das in der knochigen Hülle erkaltete. Wie gern hätte er ihn aufgebrochen und das Mark herausgesaugt. Wildentschlossen den Knochen für später aufzuheben schob er ihn sich hinter den speckigen Gürtel und kroch langsam rückwärts. Er warf einen letzten Blick hoch zu dem Wachtposten und musste feststellen, dass der Mensch einfach eingeschlafen war. Wenn er bedachte, was mit einem in seinem Volk geschah, wenn ein Kundschafter auf seinem Posten einschlief, konnte er nicht nachvollziehen wie dieser Mensch es wagen konnte einfach einzuschlafen. Sie waren eben doch eine schwache Rasse, diese Menschen. Er robbte noch ein Stück in den Wald hinein, bis er schließlich geduckt zu seiner Rotte schlich.
„Nur einer, Trosk“, grunzte Brutock „und der pennt auch noch – so viel zur Wachsamkeit der Fleischlinge in dieser Gegend“
Grish-Trosk nickte und grinste, was seine imposant verzierten, weißen Hauer zum Vorschein brachte. Die Reinheit der Hauer war ein Statussymbol, Brutock hatte nicht annähernd so helle Hauer wie sein Hordenführer und auch bei weitem nicht so Große.
Grish war ein erfolgreicher Krieger was die Ehrennarben, die ihm in feierlichen Rieten in den Körper getrieben wurden, bewiesen. Oder die Anderen Narben, die er in den verschiedens-ten Schlachten an den verschiedensten Orten davon getragen hatte. Auch die vielen Armreife, die Grish trug machten deutlich, wie sehr er sich den Titel des Trosk verdient hatte, was dem Rang eines Generals in einer menschlichen oder zwergischen Armee entsprach. Armreife wurden von höhergestellten Orks an Niedere gegeben, als Zeichen der Anerkennung oder als Belohnung. Grish-Trosk trug allein an seinem rechten Arm zwölf Reife, von denen ihm vier von ihrem Herrscher persönlich überreicht worden waren. Das brachte ihm natürlich beträchtlichen Respekt von allen Seiten ein, aber auch Neid. Er hatte schon mehr als einmal angehörige seines eigenen Volkes niedergestreckt, die so töricht gewesen waren, ihn zum Zweikampf herauszufordern. Er hasste es diese starken Brüder töten zu müssen, denn damit schwächte er nur seine eigene Rasse. Und damit seine Armee.
„Das sind gute Neuigkeiten, obwohl ich es lieber sehen würde, endlich wieder eine Herausforderung bestehen zu können“, sprach der Hordenführer und wand sich seiner vierhundert Mann starken Truppe zu und nickte einem seiner Rottenführer zu. Dieser erhob ein Banner in die Luft, dessen Symbol ähnelte einer Goblinfratze. Augenblicklich setzen sich die wenigen Goblins, die die Ehre hatten, mit dieser unbesiegten und glorreichsten aller Horden mitziehen zu dürfen, in Bewegung und strebten die Mauer an.
Goblins waren so leicht und gelenkig, dass sie keine Werkzeuge, wie Leitern oder Enterhaken brauchten, um eine Mauer, eine Felswand oder Ähnliches zu erklimmen. Ihre langen harten Krallen waren beim Auf- und Abstieg ebenfalls sehr hilfreich. Sie mussten nur aufpassen, dass ihre grobeisernen Rüstungen nicht am Gestein der Mauer entlangkratzten und mit dem kreischenden Geräusch die Aufmerksamkeit der Wachen auf sich zogen.
Als der führende Goblin die Mauer erreicht hatte hielt er einen Moment inne, sah sich um. Alle anderen warteten gespannt und in Deckung oder am Waldrand. Er spähte nach oben um zu sehen, ob eine der Wachen die Bewegung im Wald bemerkt hatte. Dem schien nicht so und so begann er flink und geschickt das Bollwerk zu erklimmen. Nun war er so sehr auf das Klettern konzentriert, dass er vergaß nach oben zusehen.

*

Ruckartig schlug Jundal die Augen auf und griff reflexartig nach seinem Schwert. War da ein Knacken im Unterholz gewesen, fragte er sich und schnellte in die Höhe. Er war auf einmal wieder hellwach. Mit wenigen schnellen Schritten erreichte er die Außenmauer und lehnte sich über die Zinnen, um etwas in der Dunkelheit ausmachen zu können. Er sah und hörte nichts. Seine Sinne schärften sich nur langsam und er konzentrierte sich auf alles was verdächtig erschien. Da war etwas - ein schnelles, leichtes Kratzen. Er kniff die Augen zusammen und fixierte einen kleinen schwarzen Punkt der ihm seltsam vorkam. Der Punkt schien sich zu bewegen, ruckartig und mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit nahte er heran. Plötzlich reflektierte ein Augenpaar den warmen Schein der Fackel, die keine fünf Schritt von ihm, zwischen zwei Zinnen angebracht war. Das reflektierte Licht war aber nicht mehr warm, es schien so als würden diese Augen ihm die Wärme nehmen und in sich aufsaugen. Das Licht war nun eher schneidend, wie ein Schrapnell, der ihn mitten ins Gesicht traf und es ihm verbot sich zu bewegen oder auch nur einen Laut von sich zu geben. Er konnte nur da stehen und diese Augen anstarren, die ihn allerdings noch nicht bemerkt zu haben schienen.
Auf einmal hielt der Punkt inne und Jundal konnte förmlich spüren, wie ihn ein eisiger Blick durchbohrte. Es verging keine Sekunde, da ertönte der tiefe wütende Ruf einer brutalen und tiefen Stimme aus dem Wald, der mehr einem langgezogenen kehligen Laut glich, als einer Sprache. Spätestens jetzt wurde Jundal klar, dass es um ihn, seine Kameraden und um die Frauen und Kinder in der Festung geschehen wäre, wenn er nicht endlich reagierte.

*

„Er schläft also“, fuhr Grish-Tok seinen Späher an und schlug ihn, zur Strafe, in die Visage, dass Brutock laut aufjaulte und in den Dreck geschleudert wurde. „Und jetzt troll dich!“; brüllte er und ballte mit der rechten Hand eine Faust, die er langsam erhob und dann nach vorn schnellen ließ. Sofort setzten sich die Truppen in Bewegung und fielen rasch in einen schnellen Lauf, der zu einem Sturm wurde, als die Belagerungsleitern an der Mauer aufgestellt wurden und die Enterhaken mit schweren Armbrüsten die Brüstung hinauf geschossen wurden. Die kampferprobten Krieger hangelten sich an den Seilen hinauf oder hetzten die Leitern nach oben, um den nächst besten Fleischling in Stücke zu reißen und zu sich ein blutiges Stück Fleisch zu sichern.
Grish-Trosk, nahm einen kräftigen Schluck der flüssigen Wut, ein Gebräu aus Menschenblut Ammoniak und diversen anderen Zutaten, das demjenigen der es trank in einen unaufhaltsamen Blutrausch versetzte und ihm immense Kräfte verlieh. Mit einem Angriffsschrei stürzte er los und überholte noch gut die Hälfte seiner Männer. Er sprang förmlich die Sturmleiter hinauf und war als einer der Ersten oben auf der Mauer. Der Wachtposten nahm gerade Reißaus und rannte so schnell er konnte davon.
„Kein Problem, den kriegen wir später. Macht alles nieder! Keine Gefangenen! Ich will Blut sehen“ Die Krieger stürmten in alle Himmelsrichtungen davon und metzelten alles und jeden nieder, der sich ihnen in den Weg stellte oder nicht schnell genug verschwand.

*

Er rannte die gesamte Ostmauer der Festung entlang und brüllte aus vollem Halse, „Alarm! Sie kommen! Alarm!“ Es dauerte nicht lange da erwachte reges Leben im inneren der Festung, das Klirren von Waffen, die erschreckten Rufe der Frauen und Kinder, das Getrappel von Pferdehufen und die ersten Kampfgeräusche waren zu hören. Jundal hatte inzwischen den ihm zugeteilten Wachturm erreicht und wollte soeben seinem Hauptmann Meldung erstatten, als die Tür aufflog und der Hauptmann, alarmiert von Jundal’s Rufen, mit gezogenem Schwert hinausgestürmt kam.
Der Hauptmann war ein wahrer Riese von großem, breitem Bau, mit langen schwarzen Haaren die ihm wild ins Gesicht fielen. Seine graublauen Augen suchten bereits nach dem ersten Gegner, doch stattdessen erblickte er Jundal, der völlig außer Atem auf ihn zu gerannt kam.
„Sie kommen… sie kommen… Ostmauer…“, keuchte dieser, als er schließlich seinen Hauptmann erreicht hatte. „Wir… müssen sofort mi-mit der Evakuierung der Stadt beginnen… un-und die Frauen und Kinder hier raus schaffen!“
„Dafür wird es wohl bereits zu spät sein. Wenn sie bereits die Ostmauer bestürmen haben sie sicherlich schon die gesamte Stadt umstellt und warten nur darauf, dass wir ihnen in die Arme laufen“
„Was sollen wir denn sonst tun?“ Langsam kam Jundal wieder zu Atem.
„Wir ziehen uns ins Stadtzentrum zurück und bereiten alles für einen Häuserkampf vor. So haben wir vielleicht eine geringe Chance“
„Aber so treiben wir uns selbst in die Enge. Was wenn wir nicht Stand halten können? Was wenn sie unsere Linien durchbrechen? Ich möchte meine Frau und meinen Sohn nicht von diesen Biestern umzingelt wissen“
„Wenn es soweit kommen sollte, möge der Herr Gott uns gnädig sein“
„Das ist Leichtsinn! Nein, sogar Wahnsinn! Wie sollen wir das…“
„Widersprichst du mir etwa? Du weißt, was die Strafe für Befehlsmissachtung ist. Ich würde ungern so einen guten Soldaten wie dich verlieren“, unterbrach ihn Hauptmann Raoul und begann weiter in Richtung Ostmauer zu laufen.
„Aber so werdet ihr alle eure Männer verlieren und die unschuldigen Frauen und Kinder noch dazu!“, rief Jundal ihm nach.
„Dann sei es so. Du kennst meinen Befehl. Nun geh und verbreite ihn“, brüllte der Hauptmann zurück und verschwand hinter der nächsten Mauerbiegung.
„Zu Befehl, Herr Hauptmann“, flüsterte Jundal, machte auf dem Absatz kehrt und sprintete die Treppe hinunter. Er befand sich nun im Burghof, dort standen einige Soldaten unschlüssig herum. Schnell berichtete er ihnen von den Vorkommnissen und erteile ihnen ebenfalls den Befehl des Hauptmanns. Sie machten sich sofort auf den Weg. Jundal hingegen dachte gar nicht daran sich zurück zu ziehen und auf den Tod zu warten. Er eilte nun weiter zu dem Haus seiner Familie, um sie in Sicherheit zu bringen.

*

Viel zu einfach, dachte sich Grish-Trosk. Sie hatten die gesamte Festung einfach überrannt, es hielten sich nur noch ein paar letzte Widerständler im Zentrum der Festung. Und das sollte die uneinnehmbare Festung der Menschen sein? Eine Bastion gegen das riesige Orkreich, das er so mühsam mit viel Blut auf beiden Seiten erkämpft hatte? Nein. Nichts dergleichen. Er hätte die Festung allein mit den Goblins einnehmen können, soviel war sicher. Aber irgendetwas stimmte nicht. Es war alles viel zu einfach. Er witterte einen Hinterhalt, eine Falle, in die er seine gesamte Horde hineinführte. Geplagt von seinen Bedenken erteilte er den Befehl, die letzten Widerstände zu belagern und sich erst einmal zu sammeln, um die Gebäude und die bereits eingenommenen Teile der Festung zu durchforsten. Es musste etwas geben, das er übersehen hatte. Aber was?
Aus einer Seitengasse hörte es das panische Aufschreien einer Frau, sowie das lüsterne Grunzen eines Orks. Rasch ging er in die Gasse und sah den Ork, der sich gerade an seinem Gürtel herumnestelte. „Halt!“, brüllte er den Ork an und knurrte wütend. Der Ork für aufbrausend herum und hob sein Schwert, doch als er erkannte, wen er da vor sich hatte, lies er die Waffe schnell sinken und senkte demütig den Blick. „Wir mischen uns nicht mit den Fleischlingen. Wie oft habe ich euch das eingebläut? Was würde denn aus uns, wenn wir ihr Schwächen mit unseren Stärken kreuzten?“ Der Ork nuschelte eine Entschuldigung und wollte sich an seinem General vorbei drängen, da packte dieser ihn an der Kehle und warf ihn in den Staub neben die zitternde Frau. „Na los! Töte sie“ Die Frau, die natürlich nichts von dem verstanden hatte, was die beiden gesprochen hatten, blickte abwechselnd panisch, dankbar, erschreckt und dann wieder ängstlich zwischen den beiden hin und her. Der Ork zögerte. Da wurde es Grush-Trosk zu viel und er trat neben die Frau, die wieder zu schreien begann und versuchte vor der riesigen Gestalt davon zu kriechen, indem sie sich auf den Bauch wälzte und sich das Pflaster der Straße entlang zog.
Grush-Trosk stand mit einem schnellen Schritt breitbeinig über ihr und zog nun seinen Zweihänder vom Rücken. Es war schwarz wie die Nacht und mit feinen, blutroten Linien durchzogen. Zudem war die Klinge etwas gebogen, wie eine Arte Säbel und nicht gerade, wie man es von einem Schwert erwarten konnte. Die Frau schrie ein letztes Mal heiser auf, bevor das Schwert ihr in den Rücken fuhr und den Schrei erstickte, indem es die Lungenflügel durchbohrte. Das Leben wich langsam aus ihren Gliedern und der Körper begann zu zucken.
Just in diesem Moment erschien am anderen Ende der Gasse ein Mensch. Ein Krieger, ohne Zweifel. Er trug einen lang geschwungenen Dolch an der Seite und ein Breitschwert in der Hand. Der Blick des Mannes richtete sich auf die sterbende Frau am Boden, aus deren Rücken noch immer das Schwert des Hordenführers ragte und deren Körper langsam erschlaffte. Die Muskeln im Gesicht des Mannes erstarrten zu Eis. Der Blick den er dem gigantischen Ork zu warf war tödlich. Nun war der Ork zur Stelle, der vorerst versucht hatte die Frau zu vergewaltigen. Er riss sein Schwert aus der Scheide und trat dem Mann, der langsam mit gezogenem Schwert und keinesfalls ängstlich auf sie zukam, entgegen.
Grish-Trosk war sich sicher, dass der Orkkrieger diesem armseligen Fleischling ein qualvolles Ende bereiten würde und kehrte sich deshalb um. Mit einem schmatzenden Geräusch zog er seine Klinge aus der Frau und reinigte sie an ihrer zerrissenen Kleidung. Dann setzte er seinen Weg fort um zu seinen verbleibenden Truppen zurück zu kehren. Da stelle sich ihm ein kleiner Junge von vielleicht zwölf Jahren in den Weg. Er hatte grüne Augen, schwarzes Haar und war groß für sein Alter. Der Ork stutzte, kein Zeichen von Angst im hässlichen Gesicht dieses kleinen Fleischlings. Im Gegenteil er konnte Mut und große Willenskraft darin erkennen – Tugenden die selbst ein Ork wohl zu schätzen wusste.
„An mir kommst du nicht vorbei“, rief der Junge mit kindlicher, jedoch fester Stimme.
„Und wie willst du das verhindern?“, fragte der Hordenführer mit hartem Akzent in der Sprache der Menschen und belustigt darüber, dass dieser Knirps tatsächlich zu glauben schien, ihn aufhalten zu können und ging in die Hocke um den Jungen besser mustern zu können. Dieser kam sofort einen Schritt auf ihn zu und reckte ihm ein kleines zerbrechliches Holzschwert ins Gesicht.
„Hab ich dich!“, frohlockte der Junge triumphierend und wollte zustechen, doch Grish-Turok war darauf vorbereitet gewesen und selbst wenn das Schwertlein ihn getroffen hätte, wäre er wohl kaum wirklich verletzt worden. Lachend schnappte er sich das Holzschwert mit einer blitzschnellen Bewegung, bevor es sich auch nur eine Winzigkeit in Richtung seines Gesichts hätte bewegen können. Der Junge schrie verblüfft auf und wollte zurück weichen, aber der Grish warf ihm sein eigenes Holzschwert zwischen die Beine und das Kind geriet ins Straucheln. Noch bevor es zu Boden fallen konnte, wurde es am Kragen gepackt und in die Höhe gerissen.
Hinter sich hörte Grish-Trosk einen Todesschrei, der abrupt endete und einen Körper zu Boden fallen. Zufrieden lächelnd drehte er sich um und hielt den kleinen, zappelnden Fleischling, der schrie, wie am Spies. Doch er musste etwas Anderes erblicken, als er erwartet hatte. Der Ork lag enthauptet am Boden und sein abgeschlagener Kopf rollte ihm entgegen.

*

Jundal starrte fassungslos auf den leblosen Körper seiner geliebten Frau, unter dem sich langsam eine Blutlache ausbreitete. Den Ork, der ihn angegriffen hatte, erschlug er ohne es wirklich mit zu bekommen, sein Körper handelte nur aus Reflexen und Routine. Sein Schwert hatte sich praktisch selbstständig gemacht und mit einem aus der Drehung diagonal nach unten gezogenen Streich den hässlichen Kopf und Rumpf des Orks getrennt. Aber das realisierte Jundal nicht, er hatte nur Augen für die sterblichen Überreste die vor ihm im Dreck der Gosse lagen. Augen, die sich nun langsam mit Tränen füllten und die Welt verschwimmen ließen. Er dachte für einen Moment seinen Sohn schreien zu hören, aber das konnte nicht sein. Durch den Tränenschleier erkannte er verzerrt eine Gestalt, die ihn ansah. Dann drehte sie sich um, wurde noch einmal vom Feuerschein erfasst und verschwand. Noch einmal hörte er seinen Sohn schreien und fuhr herum, da traf ihn etwas am Kopf und ihm wurde schwarz vor Augen.

Vielen Dank fürs Lesen, wie gesagt ich freue mich über Ideen und oder Anregungen!! [center]
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BeitragThema: Re: Fantasy: Licht & Schatten   Mi Jan 02, 2013 9:29 pm

Ich hab jetzt ungefähr die Hälfte gelesen. Der Schreibstil ist eigentlich ganz gut, mich stört nur, diese ganzen Städtenamen. Das sind irgendwie so viele verschiedene. Shocked
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FCSchiller
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BeitragThema: namen   Mi Jan 02, 2013 9:56 pm

ja habe ich ja oben schon gesagt, damit bin ich auch nicht wirklich zufireden.. da muss ich mir noch irgendwas überlegen.. Wink aber danke!!
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